Düsseldorf, 1. Juni 2007 — Das Wertesystem der 68er Jahre hat bis heute negative Auswirkungen auf Leistungsbereitschaft, Flexibilität, Respekt und Disziplin in der deutschen Wirtschaft. Diese Meinung vertreten 47% der deutschen Top-Manager. Das dürfte einer der Gründe sein, warum 50% der Führungskräfte die deutsche Volkswirtschaft im Vergleich zu asiatischen Wirtschaftssystemen für unterdurchschnittlich leistungsfähig halten. Nur 15% betrachten sie als stärker. Anders ist die Einschätzung im Vergleich zu westlichen Volkswirtschaften: 85% der Entscheider beurteilen die Bundesrepublik als konkurrenzfähig oder sogar als leistungsfähiger.
Das sind Ergebnisse des monatlichen „Managerpanels”, durchgeführt von der internationalen Personalberatung LAB Lachner Aden Beyer & Company. Anlass für die aktuelle Befragung, an dem sich 709 Führungskräfte der deutschen Wirtschaft beteiligt haben, ist der Jahrestag der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg vor 40 Jahren in West-Berlin: Der 2. Juni 1967 gilt als Ausgangspunkt der 68er Jahre – und damit als Beginn eines veränderten Wertesystems in der Bundesrepublik.
Erstaunlich: Mit 54% vertreten überdurchschnittlich viele junge Top-Manager unter 40 Jahren die Ansicht, dass die damalige Zeit bis heute nachteilige Folgen auf die Leistungsfähigkeit Deutschlands hat. „Das spiegelt sich insbesondere im Bildungssystem wider”, sagt ein Teilnehmer der Umfrage stellvertretend. Hingegen sehen nur 38% der Führungskräfte über 50 Jahren einen negativen Zusammenhang zwischen dem Wertewandel und der Leistungsfähigkeit der heutigen Wirtschaft. „Die 68er lieben sich selbst”, sagt Aden. Dabei sei wohl auch Nostalgie im Spiel. Aden: „Wer möchte nicht in seiner Jugend ein Rebell gewesen sein?”, so Aden.
Andere Manager kritisieren eine andere Kausalität zwischen den Wertedebatten der Vergangenheit und der Leistungsfähigkeit Deutschlands: „Die 68er haben den Spieß umgedreht. Sie sitzen heute oft in Führungspositionen und tanzen den Steinzeitkapitalismus – im Gegensatz zu den Generationen danach, die kompetent führen und ihr Handwerk verstehen”, sagt etwa einer der Befragten.