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Hohe Gewinne der Unternehmen sorgen für üppige Boni. Das ergibt eine Studie der Personalberatung LAB Lachner Aden Beyer & Company und der FTD. Dafür wurden mehr als 400 Führungskräfte der vier höchsten Hierarchiestufen befragt.
Das Jahr 2004 war ein erfolgreiches: 63 Prozent der Unternehmen steigerten ihr Betriebsergebnis (Ebit). Besonders gut schnitten nach mageren Resultaten in den Vorjahren die Finanzbranche sowie der Energie- und Chemiesektor ab. Davon profitierten auch die Angestellten: 50 Prozent aller befragten Manager durften einen im Vergleich zum Vorjahr höheren Bonus nach Hause nehmen.
Auf eine Extrazahlung verzichten muss fast kein hochrangiger Manager – nur die Höhe der Sonderzulage variiert. Bei 92 Prozent der Studienteilnehmer ist die Höhe der Vergütung erfolgsabhängig. Vorreiter ist die Finanzbranche – alle befragten Führungskräfte aus diesem Sektor erhalten einen Bonus. Die Absicht der Unternehmen: Sie wollen Anreize für das Management setzen, die Interessen der Aktionäre zu verfolgen und den Unternehmenswert zu steigern. Das spiegelt sich in den Studienergebnissen wider: Erhöht sich der Betriebsgewinn, so steigt bei 60 Prozent der Manager auch der Bonus. Stagniert das Geschäft, kommen nur 38 Prozent in diesen Genuss.
Selbst eher konservative Industriezweige wie die Energiewirtschaft haben die neuen Instrumentarien für sich entdeckt: „Mit dem Wegfall der staatlichen Regulierung beginnt der offene Wettbewerb. Deshalb verändern sich auch die Vergütungsformen“, erklärt Klaus Aden, Leiter der Umfrage.
Erfahrungsgemäß macht der variable Gehaltsteil rund ein Viertel der Gesamtvergütung für Manager aus. Bei Vorständen allerdings übersteigen die Erfolgsprämien das Festgehalt häufig um ein Vielfaches. Ein prominenter Fall ist Josef Ackermann. Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank verdiente im abgelaufenen Geschäftsjahr insgesamt 10,08 Mio. Euro. Sein fixes Salär lag nur bei 1,15 Mio. Euro. Solche Fälle, bei denen das Festgehalt im Vergleich zu den Gesamtbezügen eher wie ein Taschengeld wirkt, sind insbesondere in den Vorständen der internationalen Konzerne mittlerweile üblich.
Die Umfrage von LAB und FTD bestätigt, dass Großverdiener vom Trend zur variablen Vergütung überproportional profitieren. Bei Managern, deren Jahresgehalt über 200.000 Euro liegt, legte der Bonus in mehr als 70 Prozent der Fälle zu. Zum Vergleich: In der nächsten Gehaltsklasse zwischen 100.000 und 200.000 Euro kletterte der Bonus nur in jedem zweiten Fall. Liegt der Jahresverdienst unter 60.000 Euro, kommt ein Drittel der Manager gar nicht erst in den Genuss einer Bonuszahlung.
Klaus Aden sieht darin einen Beleg für die Wettbewerbsintensivierung. „Die Unternehmen buhlen um die Gunst der besten Kräfte. Dieser Kampf wird auch über den Preis geführt.“ Deswegen klaffe die Einkommensschere zwischen der oberen und unteren Leitungsebene immer weiter auseinander. Das schürt Neid auf den Fluren: 53 Prozent der Manager halten die Vorstandsgehälter für zu hoch.
„In meinem Unternehmen haben sich die Vorstandsbezüge erhöht, während die Mitarbeiter seit über vier Jahren freiwillig auf ihr 13. Gehalt verzichten, ihre Zielprämien um die Hälfte gekürzt bekommen haben und weite Teile entlassen wurden&dquo;, empört sich ein Befragter.
In der Kritik steht insbesondere Konzernchef Jürgen Schrempp. „Bei Unternehmen wie DaimlerChrysler, bei denen nur Entlassungen stattfinden und Wert vernichtet wird, stehen selbst die Grundgehälter in keinem Verhältnis zur Realität“, moniert ein Manager.
Trotzdem finden sich auch Befürworter des „Winner takes it all“-Prinzips. „Wirtschaft ist wie Sport eine Wettbewerbsdisziplin. Auch in der Wirtschaft muss es Stars geben, die aufzeigen, was man selbst erreichen kann“, kommentiert ein Teilnehmer der Studie die üppigen Vorstandsbezüge.
Es gibt auch Stimmen, die die Höhe des Gehalts für irrelevant halten. Entscheidender sei vielmehr der Erfolgsmaßstab, an den die Vergütung geknüpft sei. Dabei komme es auf die Nachhaltigkeit an: „Nicht nur der Shareholder-Value sollte einfließen. Es sollte zusätzlich eine volkswirtschaftliche Komponente geben“, empfiehlt ein Befragter.
Knapp zwei Drittel der Führungskräfte sprechen sich für eine detaillierte Veröffentlichung der Vorstandsgehälter aus. „Ich bin für eine deutliche Orientierung an US-Verhältnissen: hohe Gehälter, hohes Risiko, große Transparenz“, fordert ein Manager. In Deutschland ist der detaillierte Ausweis der Bezüge im Gegensatz zu Ländern wie den USA, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden oder Italien nicht gesetzlich vorgeschrieben. Nur 21 der 30 Dax-Unternehmen veröffentlichen die individuelle Vergütung. Adidas-Salomon, BASF, BMW, DaimlerChrysler, Fresenius Medical Care, Henkel, Infineon, Linde und Münchener Rück verweigern nach wie vor den Einblick in die Portemonnaies der Vorstandsetage.
Das soll sich jetzt ändern. Die deutsche Politik ist aktiv geworden. Im März hat Bundesjustizministerin Brigitte Zypries einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der sich am Deutschen Corporate Governance Kodex für eine gute und verantwortungsvolle Unternehmensführung orientiert, und der den individuellen Ausweis des Einkommens vorschreibt. Bewahrer des Status quo fürchten eine öffentliche Hetzjagd: „Wir leben in einem Land der Missgunst; man muss diese Ausprägung nicht noch fördern, indem Vorstandsgehälter offen gelegt werden“, meint ein Teilnehmer.