Dr. Klaus Aden – Kaum sind die schlimmsten Folgen der Finanzkrise überwunden, rückt das Thema Nachhaltigkeit wieder in den Fokus des öffentlichen Interesses. Für viele Medien scheint „Sustainability“, wie es neudeutsch heißt, eine ganz spezielle Faszination auszuüben: Grünes Wirtschaften und Nachhaltigkeit sind positiv besetzt. Unternehmen greifen diesen Trend auf: mal ehrlich und engagiert – mal halbherzig und notgedrungen. Oder sogar nur als manifestierte Lippenbekenntnisse. So oder so – in vielen Fällen lassen sich daraus journalistisch interessante Artikel kreieren.
Aufgrund der Natur ihres Geschäfts sind Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Klimaschutz für die Energiewirtschaft von jeher ein Thema. Nachhaltigkeit spielt schon aus Imagegründen eine vergleichsweise große Rolle. Aber darüber hinaus? Ist es für Energieversorger tatsächlich wichtig, intern von Führungskräften und potenziellen Bewerbern als nachhaltige Unternehmen wahrgenommen zu werden? Und interessiert es Manager persönlich, ob ihr Unternehmen nachhaltig ist?
Als Personalberater bewegt uns diese Frage gleich aus zweierlei Hinsicht. Zum einen, weil es zu unserem Job gehört, zu wissen, was Arbeitgeber für Spitzenkräfte attraktiv oder unattraktiv macht. Denn nur dann können wir die passenden Kandidaten und Unternehmen zusammenbringen. Und nur dann können wir auch unsere Auftraggeber optimal bei ihrer Positionierung als Arbeitgeber beraten und ihnen helfen, die eigene Arbeitgebermarke zu stärken. Zum anderen reizt uns die Frage, denn das Thema Nachhaltigkeit ist uns ein persönliches Anliegen.
Daher haben wir im Rahmen der jährlichen Bonusstudie diesmal 815 Manager aus unterschiedlichen Branchen gefragt, welche Bedeutung die Nachhaltigkeit eines Unternehmens aus Karrieregesichtspunkten für sie hat. Die Ergebnisse haben selbst uns überrascht: 47 % der Führungskräfte gaben an, ökologisch, soziales und ökonomisch verantwortliches Wirtschaften eines Unternehmens seien für sie persönlich entscheidend oder zumindest sehr wichtig bei der Stellenwahl. Lediglich für 17 % spielt Nachhaltigkeit eine untergeordnete Rolle. Viele gaben gar an, wegen fehlendem Verantwortungsbewusstsein ihres derzeitigen Arbeitgebers die Stelle wechseln zu wollen. „Das war für mich persönlich ein wichtiges und zukunftsgerichtetes Kriterium für den Stellenwechsel“, sagte etwa einer der Befragten. Und viele Umfrageteilnehmer kritisierten das vermeintlich grüne Gebaren ihres Arbeitgebers als verlogen. „Das ist alles nur Theorie und nur für die Presse“, schimpfte etwa ein Manager.
Schaut man auf die Energiewirtschaft, ist das Kriterium Nachhaltigkeit für die Führungskräfte sogar noch wichtiger: nicht weniger als 50 % (!) der Manager dieser Branche halten Nachhaltigkeit für entscheidend oder sehr wichtig bei der Auswahl ihres Arbeitgebers.
Insofern: Ja. Nachhaltigkeit ist sehr geschäftsrelevant. Im Außenverhältnis für den erfolgreichen Verkauf von Produkten und Dienstleistungen, aber auch zur Stärkung der eigenen Arbeitgebermarke. Zugegeben, dies sind Argumente, mit denen sich Finanzabteilungen bisweilen schwer tun – sehen sie doch häufig vor allem die zusätzlichen Kosten einer nachhaltigen Unternehmenspolitik. Doch für solche Einwände liefert die LAB-Umfrage hilfreiche Gegenargumente. Nachhaltige Unternehmen weisen ein besseres EBIT auf als ihre Wettbewerber: mehr als ein Drittel (38 %) der besonders nachhaltig wirtschaftenden deutschen Unternehmen haben ihr Betriebsergebnis (EBIT) für 2009 gesteigert. Nicht nachhaltigen Unternehmen gelang dies nur zu 21 %. Sie mussten vielmehr zu 46% sinkende Unternehmensergebnisse hinnehmen. Bei den nachhaltigen Unternehmen waren das nur 33 %.
Kurzum: wenn es um Nachhaltigkeit geht, können Unternehmen vieles richtig und nur eines ganz verkehrt machen: sich nicht ernsthaft und glaubhaft mit dem Thema zu beschäftigen. Denn Nachhaltigkeit ist nicht nur geschäftsrelevant. Sie wird schon bald geschäftsentscheidend sein.

Wie bewerten Sie das Thema Nachhaltigkeit? Schreiben Sie mir unter meine.meinung@labcompany.net